Die Pokal-Finalrunde ist erreicht, auch in der BBL haben sich die Basketballer des FC Bayern mit den jüngsten Erfolgen in der Spitze festgesetzt. Womit der kräftig verkorkste Saisonstart fast schon wieder vergessen ist. Nicht für Marko Pesic allerdings – für den Sportdirektor war die turbulente Vorrunde auch eine Voraussetzung für den heutigen Erfolg, wie er im Interview erklärt.
Noch Ende November war die Abstiegszone näher als Platz eins. Jetzt sehen viele im FC Bayern schon den Bamberg-Herausforderer Nummer eins. So schnell ändern sich die Zeiten. . .
Ich bin nicht überrascht, denn ich kenne den Trainer sehr gut und ich weiß, was in den Spielern steckt.
Gab es Zeiten, in denen Sie die Saison abgeschrieben haben?
Nein, das habe ich nie. Mir war schließlich immer klar, dass wir einen Kader mit sehr großem Potenzial zusammengestellt haben. Ich habe das immer mit einem Lipizzaner-Pferd verglichen. Ein unheimlich schönes Tier, mit langen Haaren. Das bestens gepflegt wird, immer das beste Essen bekommt – aber immer wenn es losreiten will, ist da jemand, der es nicht richtig laufen lässt. So kam mir die Mannschaft vor. Beim vierten, fünften Mal läufst du automatisch vorsichtiger los. Ich habe lange gerätselt: Was fehlt eigentlich, dass man diese Blockade löst?
Welche Antwort haben sie gefunden?
Die eine Seite war der Trainer. Er hat es sehr gut rübergebracht, was er haben wollte. Aber auch die Spieler haben offenbar verstanden, dass sie keinen Joker mehr frei haben. Dass sie selbst alles mobilisieren müssen, dass es klappt. Das war schon eine schwierige, intensive Zeit. Aber es war auch eine wertvolle Zeit. Jeder weiß jetzt, dass Erfolg nicht von alleine kommt. Ich glaube, so etwas festigt die Strukturen im Verein und so etwas festigt auch die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans. Ich kann jedenfalls sagen, dass ich auch persönlich viele Lehren gezogen habe?
Welche?
Die größte ist: Ruhe zu bewahren, was aufgrund meines Charakters natürlich schwierig ist. Ich bin ungeduldig, aber Entscheidungen aus der Emotion sind schwierig. Die andere Lehre ist, dass wir in Zukunft definitiv Entscheidungen immer im Interesse des Vereins treffen müssen. Wir müssen sozial bleiben, ja, aber es darf nicht darum gehen, keinem weh zu tun.
Ist das auf Ex-Trainer Dirk Bauermann gemünzt, der vor dem Saisonstart gehen musste?
Unter anderem, ja.
Die andere schwierige Personalie dieser Saison ist Yotam Halperin. Der israelische Starspieler wird teilweise schon als Fehleinkauf abgestempelt.
Ich habe mitbekommen, dass sich in einem gewissen Internetforum sehr viel abspielt. Wenn man da mal dahinter schauen würde, wer hinter den Namen steckt, dann würde man sicher einige Überraschungen erleben.
Gezielte Beiträge der Konkurrenz?
Irgendwer muss das ja schreiben. Aber ungeachtet dessen: Es wäre ein Fehler, Yotam abzuschreiben. Natürlich hat er bis jetzt nicht das gespielt, was wir erwartet haben. Aber es ist bei einem Spieler seiner Qualität unlogisch, dass er dauerhaft so spielt wie bisher. Ich glaube an ihn, er wird die Zeit von uns bekommen und irgendwann wird es funktionieren.
Immerhin ist er einer von vielen Spielern, deren Verträge am Ende der Saison auslaufen. . .
Über diese Dinge habe ich natürlich Ideen im Kopf. Aber im ersten Schritt setzen wir uns erst einmal mit meinem Vater zusammen um die Trainerfrage für die nächste Saison zu klären. Danach sehen wir weiter.
In der Vorrunde hat Präsident Uli Hoeneß immer wieder in Nebensätzen die Dauerhaftigkeit des Projekts hinterfragt. Sind die derzeitigen Erfolge auch vor diesem Hintergrund eine Beruhigung?
Tatsache ist, dass wir in allen Bereichen – Zuschauerzahlen, Merchandising, Entwicklung der Mannschaft – einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass wir uns im Verein rechtfertigen müssen. Im Gegenteil: Wir haben in den letzten Monaten, mehr als ich jemals gedacht habe, Unterstützung bekommen. Ob Herr Hopfner, Hoeneß oder Sammer – ich habe immer offene Türen vorgefunden. Leute, die unheimlich viel Erfahrung haben und bei denen ich sehe, dass es ihnen unheimlich wichtig ist, dass wir voran kommen. Ich garantiere, das würde man in Barcelona oder Madrid nicht erleben.
Interview: Patrick Reichelt
















