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Didier Deschamps gilt als heißer Kandidat für den Trainerstuhl der Equipe Tricolore.

Frankreich sucht Trainer: Deschamps sagt "Non" 

Marseille - Didier Deschamps ist am Montag als Trainer von Olympique Marseille abgetreten. Doch neuer französischer Nationaltrainer will er nach Medienberichten nicht werden.

ls Didier Deschamps am frühen Montagmorgen das Ende seiner Tätigkeit bei Olympique Marseille verkündete, schien der Weg frei. Der Weltmeister-Kapitän von 1998 war der heißeste Kandidat für die Nachfolge von Laurent Blanc als französischer Nationaltrainer. Doch nach übereinstimmenden Medienberichten verzichtet der Welt- und Europameister auf den Karrieresprung. Deschamps habe dem Verbandspräsidenten Noël Le Graët einen Korb gegeben, schrieb das Fachblatt France Football. Auch die französische Tageszeitung Le Parisien zitierte eine zuverlässige Quelle, dass dies die Tendenz sei.

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Dabei hatte alles so schön gepasst. Einen Tag vor der Exekutivsitzung des nationalen Verbandes FFF zur Trainerfrage veröffentlichte der 43-Jährige zusammen mit dem neunmaligen Meister Marseille eine gemeinsame Erklärung. „Olympique de Marseille und Didier Deschamps haben im gegenseitigen Einvernehmen beschlossen, in der neuen Saison nicht mehr zusammenzuarbeiten“, teilten Deschamps und der OM-Präsident Vincent Labrune mit.

Die französischen Medien werten dies zunächst als deutliches Zeichen dafür, dass Deschamps eine nationale Aufgabe angehen will: Den Scherbenhaufen aufräumen, die Mannschaft vereinen, Störenfriede wie Samir Nasri zähmen - und endlich mal wieder erfolgreich Fußball spielen. Das war auch unter Laurent Blanc bei der EM in Polen und der Ukraine nicht gelungen. Les Bleus waren im Viertelfinale gegen Spanien (0:2) überfordert. „Le President“ Blanc, Seite an Seite mit Deschamps 1998 zum Nationalhelden aufgestiegen, trat am Samstag zurück.

„Deschamps Rücktritt macht den Weg frei für den Sprung an die Spitze der Blauen“, kommentierte die L'Equipe. Le Monde schrieb, der Schritt sei „seit Tagen erwartet worden“, nicht nur, weil es Spannungen zwischen Deschamps und der Vereinsführung gegeben habe, sondern auch, „weil nach Blancs Rücktritt der Posten des Nationaltrainers vakant ist“.

Laut France Football wolle Deschamps aber keine Kompromisse machen. Die Gespräche mit Le Graët seien deshalb gar nicht weit geführt worden, über Gehalt und Trainerstab sei überhaupt nicht gesprochen worden.

Zuvor hatte Arsene Wenger vom FC Arsenal abgesagt, nach Paul Le Guen (Nationaltrainer Oman) wurden recht zögerlich die Fühler ausgestreckt. Auch er lehnte ab.

Deschamps war bereits 2008 nach dem EM-Aus als „Selectionneur“ im Gespräch gewesen, doch Domenech durfte weitermachen und Frankreich ins WM-Desaster von Südafrika führen. Jetzt schien die Zeit reif für Didier Deschamps, geboren am 15. Oktober 1968 in Bayonne, der seiner glänzenden Spielerkarriere eine bislang ordentliche Trainerlaufbahn folgen ließ. Er führte den AS Monaco ins Finale der Champions League, stieg mit Juventus Turin wieder in die Serie A auf, wurde mit „OM“ Meister, ehe es zum Bruch mit Sportdirektor Jose Anigo kam.

Laut gemeinsamem Communique hat sich Deschamps seit dem 23. Mai darum bemüht, den Verein verlassen zu dürfen. Am Montag war es so weit. Doch „Oui“ zu den Blauen sagte er dennoch nicht.

sid

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