Nun sind das Oberland und die Schiedsrichtergruppe Bad Tölz beileibe nicht die Insel der Glückseligen. Vor ziemlich genau sieben Jahren wurde der Wiesseer Schiedsrichter Willi Dörder in einem A-Klassenspiel zwischen dem SV Bad Tölz II und Olympic Geretsried von zwei Geretsrieder Spielern gewürgt und derart heftig getreten, dass er eine Beckenringfraktur davongetragen hat. Allerdings ist dieser krude Fall die krasse Ausnahme.
„Anfeindungen sind da schon eher an der Tagesordnung“, hat Thomas Sonnleitner beobachtet. Sonnleitner pfeift für den Lenggrieser SC und ist seit Kurzem Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Bad Tölz. Für seinen Kollegen im Münchner Norden hat Sonnleitner durchaus Verständnis. „Ich pfeife seit 20 Jahren und habe inzwischen ein entsprechend dickes Fell. Aber das Niveau im Umgang miteinander ist eindeutig nach unten gegangen.“
Handgreiflichkeiten oder gar Tätlichkeiten sind Walter Lang noch nie untergekommen. Der Trainer des Lenggrieser SC ist Polizeibeamter der Inspektion Bad Tölz und kann sich nicht erinnern, in den vergangenen Jahren in seiner Funktion als Ordnungshüter an einen Fußballplatz im Landkreis beordert worden zu sein. „Allerdings“, so räumt er ein, „fallen schon mal Ausdrücke und Flüche, die am Spielfeld nichts zu suchen haben.“
Verbale Unflätigkeiten sind auch Markus Lippert, Trainer des FC Kochelsee Schlehdorf, gelegentlich zu Ohren gekommen - aber meist hinter der Seitenlinie. Das seien meist die Fans von ein, zwei Vereinen, die sich in negativer Hinsicht hervortun. „Diese Fans pöbeln dann jeden an: Spieler, Schiedsrichter, die gegnerischen Zuschauer - wie’s denen grad einfällt.“ Abgesehen von diesen Entgleisungen erachtet Lippert die Disziplin im Oberland im „grünen Bereich“.
Ein Erlebnis im dunkelroten Bereich hat indessen Hans Staar vor knapp zwei Jahren dazu veranlasst, das Pfeiferl an den Nagel zu hängen. Der Schiedsrichter des SV Bad Tölz (Jugend, AH, B- und C-Klasse) leitete im Februar 2011 ein Freizeithallenturnier in Miesbach. Was Staar dort beobachtete, vergällte ihm jegliche Freude an seinem Freizeitvergnügen. „Die haben sich auf die Socken geklopft, dass die Knochen geknackt haben. Diese Hobby-Kicker hatten einen völlig überzogenen Ehrgeiz, dafür ein ausbaufähiges Sozialverhalten.“
Im Endspiel kam es dann nach einer strittigen Entscheidung eines Schiedsrichterkollegen beinahe zum Eklat. „Was die Spieler uns da an den Kopf geworfen haben, war total unter der Gürtellinie. Ich hab’ befürchtet, dass es gleich scheppert.“ Zum finalen Tabu-Bruch - einer handfesten Auseinandersetzung - kam es gottlob doch nicht. Doch für Staar war klar: „In so eine Situation möchte ich nicht nochmal kommen. Schon gar nicht, wenn ich meinem Privatvergnügen nachgehe.“ Ein Negativfall wie dieser ist freilich nicht unbedingt fußball-typisch. Staar urteilt salomonisch: „Es ist wie sonst im Leben auch: 99 Prozent sind nett - und ein Prozent Deppen gibt es überall.“ (sts)












