von patrik stäbler
Anzing - Auf dem großen Handballfeld wirken Paul Hoffmann und Max Haberthaler fast ein wenig verloren, wie sie da verzweifelt von Gegner zu Gegner eilen. Ihre HSG Kirchheim/Anzing führt 18:17 im Landesligaduell gegen den Eichenauer SV. Noch. Denn aktuell steht neben dem Duo nur mehr Torwart Simon Scharder auf dem Parkett; alle anderen HSG-Akteure haben sich mit Zeitstrafen verabschiedet. „So ein turbulentes Spiel wie heute habe ich selten erlebt“, wird Trainer Hubert Müller später sagen.
Doch in Unterzahl zeigen die Hausherren Moral. Torwart Scharder hält einen Siebenmeter, wenig später gelingt seinen Kollegen ein Tor - zu dritt. „Wir waren die zehn Minuten nach der Pause im Schnitt mit drei Spielern auf dem Feld“, berichtet Müller. „Da hätte Eichenau den Sack zumachen müssen.“ Doch die Gäste lassen die Chance ungenutzt - und das rächt sich. Als die HSG wieder komplett ist, dreht sie einen 20:22-Rückstand und gewinnt am Ende mit 28:25.
„Die Jungs haben eine tolle Einstellung gezeigt und sich diesen Sieg verdient“, lobt der Coach, schränkt aber umgehend ein: „Solche Undiszipliniertheiten dürfen wir uns nicht erlauben - auch wenn die Schiedsrichter ihren Teil dazu beigetragen haben.“
Dabei bleibt die Partie in der ersten Hälfte ruhig; zur Pause führt Anzing 14:11. Doch nach dem Wechsel kommt Hektik ins Spiel, die Unparteiischen greifen hart durch, und die rund 200 Zuschauer machen die Markt Schwabener Halle zum Tollhaus. „Die Schiedsrichter waren kurz davor, das Spiel abzubrechen - wegen der Fans“, sagt Müller und schüttelt verwundert den Kopf. „Wir waren nicht unschuldig, aber die Schiris haben überzogen reagiert - vor allem bei uns.“ So kassieren die Gastgeber binnen weniger Minuten acht Zeitstrafen. Trauriger Höhepunkt ist eine Rote Karte gegen Matthias Haberthaler wegen Beleidigung. „Er wird sicher einige Spiele gesperrt werden“, prophezeit Müller.
In der Tabelle klettert die HSG durch den Sieg auf Platz acht und hat nun sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegsregion. „Langsam können wir über den Klassenerhalt sprechen“, gibt sich Müller dennoch vorsichtig. „Wenn wir noch zwei Siege holen, dann sollte das reichen.“

















