Der 34-Jährige spielt in der englischen Premier League - und die macht keine Winterpause. Durch sein Engagement bei Swansea City hat er sich einen Traum erfüllt.
Viel Zeit haben Fußballer nicht, mal die Beine hochzulegen. Nur die Zeit der Weihnachtsferien bedeutet Ruhe in den deutschen Ligen. Ganz anders auf der Insel: Am 23. Dezember regulärer Spieltag, am 26. Dezember der so genannte „Boxing Day“. Wenn bei uns familiäres Ausspannen auf der Tagesordnung steht, pilgert ganz Großbritannien in die Pubs - und dann zum Fußball. Nur Italiens Zweite Liga und die belgische Liga sind am 26. Dezember im Einsatz, auf dem Rest der Welt kicken nur noch zwei Teams in Neuseeland. England, Schottland und Wales verzeichnen 70 Spiele - jeder, der mit Fußball sein Geld verdient, hat Dienst.
Gerhard Tremmel, der im August 2011 nach Swansea wechselte, kennt das Schauspiel schon. „Die Atmosphäre in den englischen Stadien ist eh unglaublich“, sagt er, „und am Boxing Day noch eine ein Spur euphorischer. Die Leute feiern Weihnachten, sind in guter Stimmung, dann haben sie meistens schon was getrunken, wenn sie ins Stadion kommen. Das ist schon irre!“
Sein Klub ist der einzige aus Wales in der weltberühmten Liga und hat damit sogar noch mehr Eigenheiten. „Unsere Fans sind unfassbar“, berichtet er von den Heimspielen in der 170 000-Einwohner-Stadt mit dem 20 000-Sitzplätze-Stadion. „Jedes Spiel ist ausverkauft.“ Gestern trat das walisische Aushängeschild gegen Welt-Klub Manchester United an (1:1). Man kann nur ahnen, was da gepaart mit Weihnachtsstimmung los war. Seit Swansea vor eineinhalb Jahren aufstieg und Cardiff als Nummer eins in Wales ablöste, platzen die Fans vor Stolz.
Für Tremmel, der aus München stammt, in der Jugend von 1860 und Bayern München groß wurde und schließlich bei der SpVgg Unterhaching den Weg zum Profifußball einschlug, ging mit dem Vertrag ein Traum in Erfüllung. Im Frühjahr 2000 machte er in Haching seine ersten Bundesliga-Spiele, obwohl er eigentlich als Torwart Nummer vier im Kader stand. Für die SpVgg, Hannover, Hertha BSC und Energie Cottbus kamen 125 Bundesliga-Partien zusammen, dazu 63 in der Zweiten Liga und 28 in Salzburg. Von dort ging er 2011 auf die Insel. „Eine Super-Chance, davon habe ich immer schon geträumt“, sagt er, „bei so einer Atmosphäre habe ich noch nie gespielt, das macht unglaublich viel Spaß.“ Auch wenn er bei den „Swans“ nur die Nummer zwei ist, in dieser Saison immerhin aber bereits neun Liga-Partien absolvierte.
Nun also Weihnachten ohne Weihnachts-, dafür mit Fußballzauber. „So ist es hier eben, das hat Tradition“, weiß Tremmel, der aber auch zugibt: „Eine Umstellung ist das schon. Weil du keine Pause hast, kannst du vom Kopf her nie abschalten. Das merkt man spätestens im Februar, wenn man sich aufs Saisonende freut.“ Für Ablenkung in Wales sorgt immerhin Ehefrau Sarah, die in Berlin gerade ihr Jura-Studium beendet und über die Feiertage zu Besuch kommt. Die räumliche Trennung war anfangs trotz aller beruflichen Begeisterung schwierig. Wie lange er noch bleibt, ist unklar, der Vertrag läuft im Juni aus. „Aber vorstellen kann ich mir, hierzubleiben.“ Und noch ein paar Mal Zauber im Stadion statt im Wohnzimmer zu genießen.
CHRISTIAN AMBERG












