Vollgas mit Handbremse: Fritz Dopfer will künftig noch mehr an sein Limit gehen. Foto: dpa

Der gezügelte Cowboy

Fritz Dopfer: Jetzt will er ans Limit gehen

Schongau - Als Kind war Fritz Dopfer ein Cowboy, bei der Ski-Weltmeisterschaft ein Indianer, jetzt ist er Medaillengewinner. Aber eines ist er nicht: am Limit.

Früher hat sich Fritz Dopfer, 25, im Fasching oft als Cowboy verkleidet. So richtig mit Stern, Hut und Plastik-Pistole. Indianer? Nein, mit Federschmuck wollte er nicht rumlaufen. Er wollte ein Revolverheld sein. Vielleicht Lucky Luke. Oder Billy the Kid. Ewig her. Als eine Zeitung kurz vor dem WM-Riesenslalom in Schladming schrieb, das Rennen Dopfer gegen Ted Ligety sei das Duell Indianer gegen Cowboy, hatte sie demnach schlecht recherchiert. Der 25-Jährige lacht, als er davon hört. Dopfer gegen Ligety, Cowboy gegen Cowboy, High-Noon in Schladming, wäre aus seiner Sicht die bessere Zeile gewesen. Sei’s drum.

Das Duell im - auch ziemlich wilden - Westen Österreichs ging letztlich an den Amerikaner. Ligety bewies einmal mehr, dass er den schnellsten Colt, äh Ski, im Riesenslalom-Zirkus hat. „Er fährt in einer eigenen Liga“, sagt Dopfer. Dass in Schladming überhaupt vom Zweikampf Dopfer gegen den wahrscheinlich besten Riesenslalomfahrer der Gegenwart gesprochen und geschrieben wurde, darf Fritz Dopfer ruhig als Kompliment annehmen. Still und leise, eben doch ein bisserl wie ein Indianer, hat er sich an die Weltspitze herangepirscht. Dort ist er voll etabliert. Nur der letzte Kick, sprich ein Sieg, fehlt dem Schongauer noch.

Auch bei der WM blieb Dopfer ohne Einzel-Medaille, wurde zwei Mal Siebter. „Ich bin nicht zufrieden“, sagte er nach den Rennen sichtlich angefressen in die TV-Kameras. „Eigentlich gar nicht so schlecht“, sagt er heute. Allerdings habe er sich schon ein bisserl mehr erwartet.

Am Sonntag beim Riesenslalom-Weltcup in Garmisch will er jetzt wieder angreifen, die eigenen Erwartungen erfüllen. Zuletzt hat er in Oberjoch trainiert, an sich gearbeitet. „Ich muss giftiger werden“, sagt er. „Noch mehr ans Limit gehen, aggressiver fahren.“ Bei der WM wirkte er oft gezügelt, verschenkte in beiden Rennen seine gute Ausgangsposition, weil er im zweiten Lauf nicht angriff, nichts riskierte. „Es ist ein sehr schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen“, sagt er. Er wolle die Linie aber in Zukunft noch mehr ausreizen, etwas wagen.

Dass er es kann, hat der Schongauer im WM-Teamwettbewerb bewiesen. Mit einer furiosen Fahrt rettete er dem deutschen Quartett die Bronze-Medaille, war der Held des Abends. „Wir haben als Team gewonnen“, sagt er. Er will sich nicht profilieren. Vor zwei Jahren hat er mit Team das Rennen in Lenzerheide gewonnen, selbst aber jedes Duell verloren, erinnert er sich. „Diesmal war es halt mal andersrum.“

Am Sonntag ist Cowboy Dopfer dann wieder alleine unterwegs. Und wer weiß, vielleicht gelingt ihm ja diesmal ein Siegritt.

Thomas Fritzmeier

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