Bei den Olympischen Spielen wie hier 2010 in Vancouver will Corinna Scholz bald wieder spielen. Dafür müssen sie und ihr Team aber erst einmal die Deutsche Meisterschaft am Wochenende gewinnen. foto: dpa

(Stolper-)Steine neben dem Eis

Bernbeuren - Für die Curlerinnen des SC Riessersee mit der Bernbeurerin Corinna Scholz geht es bei der Deutschen Meisterschaft an diesem Wochenende in Oberstdorf um alles: die Qualifikation für die Weltmeisterschaft und letztlich schon um Olympia 2014.

Was macht man vor einem wichtigen Turnier? Klar, fleißig trainieren. Das hätten die Curlerinnen des SC Riessersee auch gerne getan. Doch das Eisstadion in Garmisch-Partenkirchen war am Wochenende durch die deutsche Junioren-Meisterschaft belegt, und obwohl dort immer eine Bahn frei war, durften die Curlerinnen nicht trainieren. „Eine Woche vorher bei der Herren-Meisterschaft hat das keinen gestört“, wundert sich Scholz.

Die erfahrene Mannschaftsführerin Andrea Schöpp hat schon viel negative Erfahrung mit dem Verband gemacht, jetzt scheinen auch die Jungen wie Scholz in diesen zweifelhaften Genuss zu kommen, dass ihnen die Verbandsspitze Steine in den Weg legt. Das Geld für Turniere wurde schon vor der Saison gekürzt, seit dem Abstieg der Herren aus der A-Gruppe „habe ich das Gefühl, dass sich alles nur noch um die Männer dreht“, so Scholz. Dann die kleinen Gemeinheiten wie das Trainingsverbot.

Die schlimmste Maßnahme aber trifft das Team ganz gewaltig: Anders als ursprünglich ausgemacht, zählen nämlich die Punkte aus der vergangenen Saison doch nicht für die Olympia-Qualifikation. Riessersee verlor also zahlreiche Punkte und hat, im Vertrauen auf die solide Basis, nicht zuletzt wegen des Geldmangels kostspielige Turniere etwa in Stockholm oder Oslo ausgelassen. Statt elf Punkten Vorsprung auf den ärgsten Konkurrenten aus Füssen haben die Riesserseer plötzlich nur noch einen. Und Punkte-Turniere gibt es diese Saison nicht mehr - bis auf die Deutsche Meisterschaft.

Die müssen Scholz und Co. also unbedingt gewinnen, auch um in dem komplizierten Punkte-Modus die Olympia-Chance zu wahren. Schärfster Konkurrent ist Füssen mit Skip Daniela Driendl. Dazu kommt eine Mannschaft von Gastgeber Oberstdorf - und ein gemischtes Team aus Hamburg/Baden-Baden. Dort spielt laut Scholz Sabine Belkofer, eine alte Bekannte von Schöpp - wenn auch nicht mit positiven Erinnerungen. Als sich Schöpp 2002 mit dem Verband zerstritt, wurde sie für Olympia 2002 in Salt Lake City ausgebootet - Belkofer bekam Schöpps Platz. Es folgte eine Schlammschlacht bis vor Gericht.

Scholz kennt die Geschichten nur aus Erzählungen. Doch sie will alle schlagen, sie will zur WM und Olympia. Auch wenn ihnen wie jetzt Steine in den Weg gelegt werden. „Aber das schweißt uns nur noch mehr zusammen“, sagt Scholz.

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