Der erste Schritt zurück in die Normalität

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614.11.08|WintersportFacebook
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Garmisch-Partenkirchen - Anja Blieninger ist nach 1011 Tagen Zwangspause bereit für ihr Comeback im Weltcup-Zirkus: „Es prickelt schon.“

BU: Endlich strahlt sie wieder: Anja Blieninger geht optimistisch an das Comeback heran.

© Kornatz

BU : Endlich strahlt sie wieder: Anja Blieninger geht optimistisch an das Comeback heran.

Anja Blieninger hat es gepackt: Sie ist wieder im Geschäft, hat die Brettl unter den Füßen und ist heiß auf den ersten Slalom der Saison in Levi. Und es scheint fast so, als hätte es diese schier endlose Zwangspause nie gegeben: 1011 Tage waren es genau. Das sind mehr als zweieinhalb Jahre, in denen die Unterammergauerin kein Skirennen mehr bestreiten konnte. Nun steht das Comeback im Weltcup an. „Ich glaub’ es wohl erst wirklich, wenn ich da oben im Starthaus stehe“, sagt die 27-Jährige. „Aber auf alle Fälle prickelt es schon.“

Blieninger hat harte Jahre hinter sich. Zunächst der Horror-Crash kurz vor Olympia 2006 beim Einfahren in Ofterschwang, dann der Unfall mit Schienbeinbruch vor Saisonbeginn 2007 in Hintertux. Das alles ist nun überwunden, und die Ammertalerin kann endlich wieder strahlen. „Ich genieße die Situation gerade“, gibt sie gerne zu. „Und ich glaube, nach diesen drei Jahren hab’ ich mir das auch verdient.“

Ganz frei von Schmerzen in ihrem linken Fuß ist Blieninger freilich noch nicht. „Die Ärzte sagen, dass das ganz normal ist. Es dauert einfach noch ein paar Monate.“ Die Probleme, die beim Skifahren auftreten, behindern die Technik-Spezialistin vom TSV Altenau aber nicht großartig. „Das habe ich im Griff.“

In wie weit sie in puncto Leistungsvermögen ist, kann sie dagegen weniger einschätzen. „Es ist extrem schwer abzuwägen, was wirklich für mich drin ist“, wirbt sie um Verständnis. Und deshalb braucht man sie auf Ziele wie die alpinen Weltmeisterschaften in Val d’Isère im Februar 2009 auch nicht ansprechen. „So weit kann ich doch noch gar nicht schauen. Ich gehe jetzt erst einmal von Tag zu Tag. Ich muss ja auch sehen, welche Belastung mein Fuß wirklich zulässt, ob ich irgendwann eine Pause einlegen muss.“

Von offizieller Seite bekommt sie daher auch keinen Druck. „Die Trainer wissen schon, dass ich aus einer sehr schwierigen Phase komme. Ich habe zunächst schon Freiheiten und darf erst einmal drauf losfahren.“ Doch freilich gibt es auch eigene Ansprüche. Hinterherhinken ist für Blieninger nicht drin. „Ich möchte schon schnell Skifahren und zeigen, dass ich meinen Startplatz zu Recht habe.“ Und dennoch ist sie erst einmal etwas vom Konkurrenz-Kampf im Team losgelöst. „Ich habe einen anderen Druck als meine Kolleginnen“, stellt sie klar. „Ich will schnell wieder fit werden und zeigen, was ich kann.“

Erste Wettkampf-Luft schnupperte sie in der vergangenen Woche in den Skihallen von Neuss und Amneville. Das ist zwar nicht ihre Welt, und doch: „Es war schon ein sehr geiles Gefühl, mal wieder mit einer richtigen Startnummer zu fahren. Da kam bei mir das Bewusstsein auf, dass der Weg, den ich gegangen bin, der richtige war. Das Kribbeln war wieder da.“ Rennen fahren, das ist nach wie vor das, was Blieninger tun möchte.

Das kann sie nun auch wieder inmitten der Ski-Elite. Von der guten Ausgangssituation, die sie sich mit ausgezeichneten Resultaten im Vorfeld von Olympia 2006 erarbeitet hatte, ist allerdings nicht mehr so viel übrig. Von Platz 17 in der Slalom-Weltrangliste ist sie abgerutscht auf Position 43. Das stinkt auch der Sportsoldatin. Doch sie kann es nicht ändern.

In Levi wird sie wohl mit einer niedrigen 40er-Nummer ins Rennen gehen. „Wenn die Piste hält, ist es damit immer möglich, sich für den zweiten Lauf zu qualifizieren.“ Unter normalen Umständen. Doch die herrschen bei Blieninger noch nicht wieder. „Man kann ja nicht erwarten, dass alles so ist, wie wenn es diese zwei Jahre nicht gegeben hätte.“ Reinfinden will sie sich erst einmal wieder in den Weltcup. „Da werden sicher auch Rückschläge kommen“, weiß sie. „Aber für mich ist das jetzt alles der erste Schritt zurück in die Normalität.“

von Christian Fellner

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