Superbanner

Skifahrerin Tina Weirather ist nach vier Kreuzbandrissen oben

Für Tina kann’s nicht kalt genug sein

Garmisch-Partenkirchen - Skifahrerin Tina Weirather ist nach vier Kreuzbandrissen endlich oben. Aber Mama Hanni Wenzel und Papa Harti zittern.

© dpa

Tina Weirather aus Liechtenstein jubelt am Sonntag (05.02.2012) in Garmisch-Partenkirchen (Oberbayern) bei der Siegerehrung des Super-G-Weltcups der Damen.

Ihre Tochter hatte Startnummer eins, Hannelore „Hanni“ Wenzel musste sich rechtzeitig ein ruhiges Plätzchen suchen. Sie mag den Rummel im Ziel nicht, stand am Streckenrand der Kandahar, an der Ausfahrt FIS-Schneise, als Tina Weirather im Super-G – ohne Winkewinke – vorbeibrauste. Schneller kamen nach ihr nur noch Siegerin Julia Mancuso und Anna Fenninger ins Tal. Die Aussicht vom Streckenrand habe noch einen Vorteil, sagt Wenzel, „dann sehe ich nicht so viel“. Wo sie eh schon genug leiden muss. Hundertstel-Sekunden und Platzierungen interessieren Hanni Wenzel (55), im bayerischen Straubing geboren und bislang einzige Olympiasiegerin Liechtensteins (Riesenslalom und Slalom 1980) und ihren Ehemann, den früheren österreichischen Abfahrer Harti Weirather (54), nur am Rande. „Sie wollen beide nur, dass ich gesund runterkomme“, sagt Tina Weirather.

Das schaffte die 22-Jährige in den vergangenen Jahren leider nicht immer. Nach vier Kreuzbandrissen (2007 beidseitig, 2008 rechts, 2010 links) grübelte sie lange, ob eine Fortsetzung der Karriere noch Sinn mache. Tina Weirather war auf Ski immer schnell, aber auch schnell wieder verletzt. „Da hat man nicht mehr viele ruhige Minuten“, sagt Mama Hanni. Auch dem Papa, meint Tina, wäre es „lieber gewesen, wenn ich es gelassen hätte. Er hat eben Angst um mich“. Obwohl Weirather früher selbst ein recht Wilder war, Abfahrtsweltmeister von 1982 in Schladming.

Nachdem ihr die Ärzte versichert hatten, dass die Knorpel im Knie trotz allem noch schwer in Ordnung seien, stand Tinas Entschluss fest. „Von den Emotionen war ich immer beim Skisport“, auch früher, als sie sich mit zehn, elf Jahren gegen Tennis und für den Versuch einer Alpinkarriere entschied – was bei ihren erblichen Voraussetzungen nur logisch erschien. Das Talent für die Schussfahrt stammt vom Papa, die Technik von der Mama, „diese Kombination ist ideal“ und führte Tina Weirather am vergangenen Wochenende in Garmisch-Partenkirchen gleich zweimal aufs Podest (Dritte in Abfahrt und Super-G) sowie auf Platz zwei der aktuellen Abfahrts-Rangliste hinter Lindsey Vonn. In Garmisch-Partenkirchen dürfte auch ihre Vorliebe für Kälte kein Nachteil gewesen sein. „Ich habe es lieber kalt als heiß“, sagt Tina, „wenn es über 25 Grad hat, dann bin ich am Ende.“ Dann lieber minus 25.

2009 bestand Tina Weirather am Skigymnasium Stams in Tirol die Matura (Abitur), der Österreichische Skiverband hätte das Talent gerne in die Heimat des Vaters gelotst, doch Tina Weirather blieb in Liechtenstein, wo sie in den Trainingsbetrieb der Schweizerinnen integriert ist oder auch mit Privatcoach Pascal Hasler alleine übt.

Während der vielen Verletzungen gab es alternative Varianten der Lebensplanung. Sicher hätte sie früher oder später in die elterliche Sport-Marketingagentur Weirather-Wenzel & Partner (WWP) einsteigen können. Seit 1997 ist ihr Papa das ganze Jahr über mit der Vermarktung des Mythos Streif beschäftigt. Aber Büroalltag statt Rennpiste? Während eines Praktikums bei einer Lebensversicherung habe sie festgestellt, erzählt Weirather, „wie privilegiert ich bin“, skifahren zu dürfen. „Und dass ich auch das Talent dazu habe.“ Büro geht später auch noch.

Jetzt könnte sich Tina Weirather erst mal in der Weltspitze festfahren. Sie habe vor dem Winter härter trainiert, sei mental stärker geworden. „Weil ich ganz am Boden war, freu ich mich über jeden Tag. Schlechte Ergebnisse nehme ich längst nicht mehr so tragisch wie früher.“ Die schlechten Ergebnisse werden auch immer seltener. Sie muss nur gesund bleiben.

Von Jörg Köhle

zurück zur Übersicht: Wintersport

Kommentare

Aktuelle Fotostrecken

"Miss EM Wahl 2012": Diese sexy Damen kämpften um den Titel

weitere Fotostrecken:
Schon am 12. Mai versuchte eine Blondine, bei einer öffentlichen Präsentation, die EM-Trophäe zu Boden zu werfen.
Ohlstadt II steigt auf

Peter Schlickenrieder: Tagebuch einer Alpenüberquerung auf Ski

Der ehemalige Profi-Langläufer Peter Schlickenrieder ist im italienischen Madonna di Campiglio zu einer siebentägigen Alpenüberquerung auf Ski gestartet, die bis nach Oberstdorf im Allgäu führen soll. Für die tz schreibt der Schlierseer ein Tourentagebuch.mehr...

Sudoku online spielen

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper