Als Rob Friend den Ball mit energischem Einsatz seines rechten Schienbeins zum 1:1 ins Braunschweiger Tor verlängert hatte, wischte er sich symbolisch beide Schultern ab. Seine innovative Torjubel-Kreation erklärte der Kanadier gestern so: „Ich habe mir die Scheiße der letzten zwei Jahre abgestreift.“ Und dann fügte er noch hinzu: „Es ist mir leichter geworden.“
Friend hat schwere Zeiten hinter sich. Bei Eintracht Frankfurt war der kantige Angreifer zum Dauerreservisten degradiert worden. Und auch als er winters zum TSV 1860 transferiert wurde, verlief der Neustart zunächst holprig. Erst fing sich der 32-Jährige eine Grippe ein, dann bremste ihn eine Adduktorenverletzung. Alexander Schmidt aber, sein neuer Trainer, hielt von Beginn an große Stücke auf ihn. „Ich habe schon nach Robs erstem Training gesagt: Der hat eine enorme Abschlussstärke, trifft den Ball genau. Und: Er ist ein Wettkampftyp.“
Der 1,95-m-Hüne repräsentiert den Typ Mittelstürmer alter Schule. Sein Terrain ist der Strafraum, hier rackert und kämpft er, schraubt sich in Flanken, schiebt seinen kantigen Körper in die gegnerische Abwehrreihe. Ein Mann für’s Grobe also, und auch für die finale Ballberührung. Bei den 0:1-Heimniederlagen gegen Kaiserslautern und Bochum scheiterte Friend noch knapp beim Torschuss. Das eine Mal wehrte Kaiserslauterns Torhüter Tobias Sippel mit der Fußspitze ab, das andere Mal landete sein Rückzieher an der Hand des Bochumer Verteidigers Lukas Sinkiewicz – es hätte Elfmeter geben müssen. „In der Nacht darauf habe ich nicht gut geschlafen.“
Beim 2:1-Erfolg über den Tabellenführer Braunschweig aber klappte es endlich. Friend meinte nach seinem ersten Treffer im Löwen-Dress: „Man braucht auch manchmal Glück im Fußball.“ Und gute Nebenspieler. Sein Teamwork mit Stürmerkollege Benny Lauth beschrieb Friend so: „Wir passen super zusammen. Ich bin für die Kopfbälle da, kann den Ball halten; Benny ist beweglich, läuft in die Räume.“
Das Braunschweiger Erfolgserlebnis führte er aber auch auf die kollektive Entschlossenheit zurück: „Das war ein Charaktersieg. Wir haben nach dem Rückstand nicht aufgegeben, jeder Spieler hatte den Siegeswillen.“ So also könnte es weitergehen. „Ich werde von Spiel zu Spiel stärker“, sagte Friend. Wobei er seinen Treffer nicht überbewerten will. „Das war nur ein Tor.“ Da muss noch mehr kommen. Der Kämpfer Friend, so scheint es, weiß das am besten. gib
















