Grigoris Makoswill seinen Vollbart als Markenzeichen behalten

Makos: Wie ein griechischer Sparta-Soldat

Neusiedl - Grigoris Makos gilt als leidenschaftlicher Kämpfer. Da passt es ganz gut, dass auch die Löwen um ihn kämpften: Nach ein paar vergebenen Anläufen kam jetzt das Angebot zur rechten Zeit.

Mitten im Gespräch steht Grigoris Makos auf, zückt sein iPhone und blättert im Fotoverzeichnis. „Da“, sagt er und deutet mit einem Grinsen auf ein Bild, das ihn in furchteinflößender Pose zeigt. Nackter Oberkörper, imposanter Bauchmuskel-Sixpack, wallender Umhang – ein griechischer Kämpfer, der an das Heldenepos des Sparta-Soldaten Dilios erinnert. Nur das Löwen-Logo auf der Brust stellt einen Bezug zur Moderne her.

Makos gefällt die Fotomontage, die auch in seinem Heimatland die Runde gemacht hat. Dass hier mit Klischees gespielt wird, ist ihm egal, denn mit dem Ruf, der ihm vorauseilt, kann er gut leben. Makos gilt als kompromissloser Defensivstratege, als leidenschaftlicher Zweikämpfer und Mittelfeldrackerer – deswegen haben die Löwen ihn geholt und dafür viel Anerkennung geerntet.

Dass der Internet-Makos grimmig hinter seinem Vollbart hervorschaut, ist allerdings zu viel der martialischen Zuspitzung. Wer den Griechen in der Sofalandschaft einer burgenländischen Hotellobby erlebt, wie er relaxt dasitzt, immerzu lächelt und charmant aus seinem Leben erzählt, merkt schnell, dass es offensichtlich zwei Makos gibt. Den verbissenen Kämpfer auf dem Rasen – und den aufgeschlossenen jungen Mann, der sich mit jeder Faser seines Körpers der Herausforderung stellt, für die er sich vor zwei Jahren noch zu jung fühlte.

Kicken, kickern, Hunde streicheln: Die Löwen im Trainingslager, Tag 3

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Damals, als die Löwen erstmals bei Makos anklopften, holten sich Ewald Lienen und Miroslav Stevic einen Korb. Heute, sagt der Nationalspieler und EM-Teilnehmer, kam die Offerte genau zur rechten Zeit. Wirtschaftskrise, Umbruch bei AEK Athen, Klubetats, die „um 80 Prozent“ einbrechen – da hat der 25-Jährige nicht lange gezögert. „Ich habe mitbekommen, wie in Athen Geschäfte geplündert wurden. Die jungen Leute sind schwer frustriert“, berichtet Makos. „Ich bin froh, dass ich jetzt diesen Schritt machen kann. Damals war ich zu ängstlich, auch wegen der Sprachbarriere. Jetzt freue ich mich auf ein neues Land und eine neue Stadt.“ Makos hat gehört, dass es in München eine große griechische Gemeinde gibt – „ich weiß zwar nicht wo, aber ich werde sie finden“.

Zunächst gilt es aber, sich in der neuen Mannschaft zurechtzufinden. Außerhalb des Platzes klappt das auf Anhieb recht gut, „alle haben mich hier mit offenen Armen empfangen, das gibt mir ein gutes Gefühl“. Auf dem Platz sind zumindest viel versprechende Ansätze zu erkennen. Beim Testspiel gegen Austria Wien (0:0) ließ Makos seine Soldaten-Mentalität aufblitzen, als er sich mit Freude in jeden Zweikampf stürzte. Freunde im Team hatte er sich bereits bei seinem ersten Trainingsspiel gemacht. „Ich habe gemerkt, dass Daniel Bierofka neben mir steht und noch zögerlich ist. Da bin ich zu ihm hin und habe gesagt: Geh vor und hab Spaß in der Offensive. Ich bin ja da.“

Auch Guillermo Vallori hat schnell erkannt, dass Makos es wert war, dass die Löwen einen Sommer lang um ihn gekämpft haben. „Gut, dass so einer hier bist“, sagte der spanische Innenverteidiger. „Dann haben wir ab sofort weniger zu tun.“

Nach Einschätzung von Ewald Lienen haben die Löwen mit der Makos-Verpflichtung alles richtig gemacht („Ein richtig guter Spieler“). Der Defensivstratege war bei Panionios Athen Spieler unter Lienen, der später auch Löwen-Trainer wurde, Makos nennt ihn liebevoll „meinen Fußballvater“. Wie einst Lienen trug Makos schon als junger Spieler einen Vollbart, der längst zu seinem Markenzeichen wurde. „Ich habe ihn in meinem Leben erst zweimal abrasiert: Einmal beim Militär, und einmal letztes Jahr für einen Nivea-Werbespot. Kaum zu glauben, wie man Gesichtshaare vermissen kann.“

Auch in der Fremde kann man vieles vermissen. Makos wird einiges fehlen: die schwermütige Musik der Bouzokia-Gitarre, die Familie, die Freundin. Sein Glück ist, dass er jetzt Nationalspieler ist, und da Vodaphone die griechische Auswahl sponsert, sind alle Handygespräche kostenfrei, Foto-Uploads inklusive. Wie sich Sparta-Soldat Makos fern der Heimat durchschlägt, wird den Griechen kaum entgehen.

Uli Kellner

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