Alexander Schmidt machte keinen Hehl aus seiner jüngsten Stimmungslage. „Ich war sauer“, sagte er, um sich dann noch leicht zu korrigieren: „Stocksauer.“ Die so unnötige 0:1- Heimniederlage gegen den VfL Bochum hatte den 1860- Trainer arg verstimmt, und seine Laune dürfte sich am Freitagnachmittag nicht viel gebessert haben. Denn da wurde bekannt, dass den TSV 1860 schon wieder ein talentierte Kicker verlassen wird. Sebastian Maier, 19, hat das „sehr gute Angebot“, so Sportdirektor Florian Hinterberger, der Sechziger abgelehnt. Der Mittelfeldspieler wird somit die Sechziger – mit noch unbekanntem Ziel – verlassen. Kurz bevor Hinterberger bestätigte, dass der Mittelfeldspieler seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird, hatte Schmidt noch gesagt: „Ich will den Basti unbedingt halten.“
Der Aderlass an hochbegabten Spielern hält also an. Auch wenn Maier nicht mit Eigengewächsen wie die Ex-Löwen Kevin Volland (nun Hoffenheim), Lars Bender (Leverkuksen), Sven Bender oder Moritz Leitner (beide Dortmund) zu vergleichen ist. Der junge Niederbayer schaffte es zwar in diverse DFB-Nachwuchsteams, in der Zweiten Liga aber hat er noch nicht mit besonders beeindruckenden Talentbeweisen aufwarten konnte. Doch was bislang noch nicht gewesen ist, hätte noch werden können. Meint zumindest Schmidt: „Basti hat ein sehr gutes Potenzial.“
Auf Maier wird der Coach schon am Sonntag verzichten, wenn die Sechziger beim Tabellenführer Eintracht Braunschweig antreten. Der Teenager fiel aus dem Kader. „Aus sportlichen Gründen“, so Schmidt. Nicht dabei sein werden auch Daniel Halfar (gelbgesperrt), Necat Aygün (Grippe) und Maximilian Nicu (Patellaspitzensyndrom).
Die seit 20 Spielen daheim ungeschlagene Eintracht rühmte der 1860-Trainer in den höchsten Tönen: „Ich will die Braunschweiger nicht stark reden – sie sind es. Sie sind eingespielt, gut organisiert und strotzen vor Selbstvertrauen. Da greifen alle Rädchen ineinander.“ Eine günstige Gelegenheit also, um den arg ramponierten Ruf ein bisschen aufzupolieren. „Die Mannschaft will zeigen“, sagte Schmidt, „dass sie gut gearbeitet hat.“ Seine Forderung lautet: „Wir müssen endlich eine brutale Siegermentalität auf den Platz bringen.“
Aus Verärgerung über die lasche erste Halbzeit gegen Bochum hat Schmidt wochentags die Zügel noch einmal anzogen. „Wir haben brutal trainiert, die Mannschaft hat gekocht.“ Der Trainer erhofft sich davon läuternde Wirkung: „Solch eine unangenehme Woche wollen die Spieler sicher nicht noch einmal erleben.“
Armin Gibis
















