204.03.10|TSV 1860|TSV 1860|
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München - Die Löwen-Profis haben ein schlechtes Gewissen und wollen künftig spielen wie Argentinien – Lienen schweigt.

© dpa
Der Worte sind genug gewechselt: Lienen will ab sofort nur noch Taten sehen.
Wo ihn Diego Maradona wohl hinstellen wird, den weißen Porzellanlöwen, der ihm von 1860-Präsident Rainer Beeck als Andenken in die Hand gedrückt wurde? Auf sein Nachtkasterl? In die Vitrine zu den anderen Trophäen (Nachbildung des WM-Pokals etc.)? Ein Ehrenplatz wäre durchaus angebracht. Schließlich waren die Löwen gute, flexible Gastgeber. Auf ihrem Trainingsrasen haben sich die Argentinier so gut vorbereitet, dass ein 1:0-Sieg über die DFB-Elf herausgesprungen ist. Wer weiß, wie viel Aufwind dieser Prestigeerfolg dem umstrittenen Gaucho-Coach gibt? Fußballer sind ja bekanntlich abergläubisch.
Es war letztlich doch eine gute Zeit, die die Hellblau-Weißen aus Argentinien und die Weiß-Blauen aus Giesing miteinander verbracht haben. Doch nun sind die Latino-Stars abgereist – und die Löwen müssen alleine zurecht kommen mit ihrem trüben Alltag. Die traurige Realität schaut derzeit so aus: Trainer Ewald Lienen schweigt, was sonst eher selten vorkommt. Die Fans haben die Schnauze voll. Und die Mannschaft bläst kollektiv Trübsal. Stefan Aigner schildert die depressive Stimmung bei den Löwen so schonungslos wie anschaulich. „Der Trainer spricht keinen Ton mehr mit uns“, berichtet der blonde Mittelfeldspieler, „er schaut sich das Ganze einfach an.“ Stumm. Mit grimmigem Blick. Zu allem entschlossen. Vor allem zu rigorosem Durchgreifen, sollte es nur ein Spieler wagen, sich noch mal so hängen zu lassen wie beim desolaten 1:3 in Paderborn. „Wer nicht mitzieht“, ahnt Aigner, werde ab sofort „keine Chance mehr haben“.
Nicht geschwiegen haben Aigners Freunde, die wie er selber aus Giesing stammen und Sechzger-Fans sind. „Die sagen alle: Ihr spielt so einen Schmarrn. Das ist ja nicht zum Aushalten.“ Das Schlimme daran: Aigner muss ihnen Recht geben. „Wir reden jedes Jahr über die erste Liga, und jetzt stecken wir wieder im Mittelfeld fest.“ Vor allem die Auflösungserscheinungen auf dem Platz geben ihm zu denken: „Wenn einer oder zwei nicht mitziehen, stimmt die Ordnung nicht“, moniert Aigner. Außerdem könne man zumindest erwarten, dass sich jeder „den Hintern aufreißt“.
Wie man’s besser macht, haben die Löwen beim Länderspiel in der Arena live miterlebt (auf Einladung des DFB). Sascha Rösler gibt zu, er sei überrascht gewesen „von der Disziplin und Ordnung der Argentinier. Da wäre ich gerne mal in der Kabine dabei, um zu hören, was der Diego so sagt. Man kann sich’s ja schwer vorstellen, wie er detaillierte taktische Anweisungen gibt. Aber geklappt hat’s ausgezeichnet.“ Zur Nachahmung empfohlen. Die Argentinier, findet Rösler, ohne anmaßend klingen zu wollen, „können sicher ein Vorbild für uns sein“. Zum Leidwesen der Löwen werden sich Maradona & Co. so schnell wohl nicht wieder blicken lassen.
Uli Kellner
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