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TSV 1860: Löwen wachsen zu Erfolgsteam zusammen

Löwen wachsen zu Erfolgsteam zusammen

München - Dass der TSV 1860 so einen verheißungsvollen Start erwischt hat, war zuvorderst ein Verdienst von Extrakönner Lauth. Doch die Löwen sind auch zu einem Erfolgsteam zusammengewachsen – vom Aufstieg spricht aber (noch) keiner.

© dpa

Starker Auftritt, unglücklich im Abschluss: Kevin Volland ließ beim 2:0 gegen Cottbus nicht nur eine Einschusschance aus.

Noch leicht dampfend vom schweißtreibenden Einsatz bei Minustemperaturen stand Benny Lauth in der Interviewzone und schälte sich aufreizend langsam die Stoffbinde vom Oberarm. Seht her, der Kapitän spricht, unterstrich diese Geste, aber das war gar nicht nötig. Schließlich war der Stürmer seiner besonderen Verantwortung auch in den zurückliegenden 90 Minuten vorbildlich gerecht geworden.

Dass die Löwen so einen verheißungsvollen Start ins neue Fußballjahr erwischt und Cottbus wie im Hinspiel (5:0) klar beherrscht haben, war zuvorderst ein Verdienst von Extrakönner Lauth, der beide Treffer zum viel zu knapp ausgefallenen 2:0-Sieg beisteuerte. Das erste erzielte er nach 35 Minuten, indem er Energie-Keeper Kirschbaum mit einem Kopfballheber überlistete. Das zweite ließ er kurz vor dem Schlusspfiff folgen, indem er den Abpraller von Rakic beherzt einschoss. Über die Phase dazwischen, als viele Chancen auf fahrlässige Weise ungenutzt blieben, konnte Lauth hinterher schmunzeln – anders als früher hatten sich diese Nachlässigkeiten nicht gerächt.

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„Ich habe selten erlebt, dass so ein Ding nicht reingeht“, kommentierte er Kevin Vollands Missgeschick, als der junge Sturmpartner freistehend aus zwei Metern den Pfosten traf (68.). Dass er selber eine ähnlich dicke Chance verballert hatte (46.), räumte Lauth bereitwillig ein: „Den kann man sicherlich machen.“ Trüben lassen wollte er sich sein Tagwerk aber nicht. „Reicht doch, oder?“, beschied er einem Reporter, der einen Tick zu kritisch die zwischenzeitlichen Verschnaufpausen des Routiniers angesprochen hatte.

Zum Sieg gereicht hat der Auftritt von Lauth und Co. auch, weil die Löwen wie ein Team auftraten, das schon sehr lange zusammenspielt. Es zahlt sich jetzt aus, dass der Verein, teils gezwungen, einen behutsam gewachsenen Kader pflegt. Neben einer Achse aus Routiniers sieht man, wie junge Spieler in aller Ruhe reifen. Bestes Beispiel: Christopher Schindler, der immer stabiler wirkt. Aber auch Volland war trotz seiner vergebenen Chancen eine verlässliche Stütze. Und wenn dann mal ein Neuer dazukommt, tut er sich im gefestigten Gefüge naturgemäß leichter, siehe Maxi Nicu.

Lob für Neuling Nicu

Über den ehemaligen Freiburger, der Stefan Aigner in der Schlussphase ablöste und noch zwei starke Szenen hatte (Kopfball auf die Latte, Vorarbeit zum 2:0), war hinterher nur Gutes zu hören. „Sofort in Bewegung“ sei er gewesen, lobte Sportchef Florian Hinterberger den Neuzugang. „Er hat der Mannschaft auf Anhieb geholfen“, zeigte sich auch Reiner Maurer angetan. Aigner wurde bei seiner Auswechslung zwar mit Sprechchören gefeiert, aber der Rechtsaußen, der den Verein verlassen will, muss sich anstrengen, um seinen Platz zu verteidigen. Der Trainer macht keinen Hehl daraus, dass es ihm durchaus gelegen kommt, endlich so etwas wie Konkurrenzkampf im Kader zu haben.

Maurer, der in der Hinrunde oft improvisieren musste, empfindet die aktuelle Situation mit zwei neuen und nur wenig verletzten Spielern als höchst komfortabel. „Natürlich ist es ein Vorteil, wenn ich nicht jede Woche schauen muss, wie ich elf Mann möglichst stabil zusammenfüge. So, wie es jetzt ist, kann man viel besser am Feinschliff arbeiten.“ Teaminterne Feinheiten sprach auch Volland an, der das Arbeitsklima als neuen Trumpf hervorhob. „Vom Team her sind wir ein super Haufen“, sagte der künftige Hoffenheimer. „Das merkt man auf dem Platz immer mehr. Die Kommunikation ist da. Jeder kämpft für jeden. So kann’s weitergehen.“

Beste Rückrunden-Elf

Wie weit, das wollte jedoch keiner taxieren. Das Selbstvertrauen nach 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen sei da, sagte Daniel Bierofka. Aus Gründen des Selbstschutzes lehnen es die Spieler aber ab, das Thema Aufstiegskampf „weiter zu befeuern“ (Lauth). Bewusst sind sich die Löwen aber schon darüber, dass die aktuelle Entwicklung – eigener Lauf bei nachlassender Konkurrenz – nicht unbedingt gegen sie spricht. „Es waren schon mal 15 Punkte auf Platz eins, den Abstand haben wir halbiert“, stellte Maurer genüsslich fest. Hinterberger fiel noch ein anderes statistisches Detail auf: „Kurioserweise ist der Abstand zu Platz drei bei sieben Punkten geblieben, aber den Abstand auf Platz zwei haben wir verkürzt.“ Mit drei Siegen sind die Löwen das beste Rückrundenteam. Aber auch die neue Heimstärke (drittbestes Team), die gefürchtete Offensive und die stabilisierte Abwehr mit Erfolgsgarant Necat Aygün (mit ihm 19 von 21 möglichen Punkten) dienen als Mutmacher.

Und wenn ein Jungspund wie Volland mal nicht seinen glücklichsten Tag hat, hilft eben Altmeister Lauth mit Toren aus. In der Vorrunde war das oft andersherum der Fall. Erfreulicherweise erweckt Volland (19) nicht den Eindruck, als würde ihm sein Fehlschuss länger nachhängen. „Prib, Blaszczykowski, Gomez – ich kenn’ sie alle“, rechnet er mit Aufnahme in die Galerie der spektakulären Fehlschützen. „In der Nacht ist mir die Szene noch ein paar mal durch den Kopf geschossen. Aber das ist abgehakt. Jetzt muss ich halt am Freitag in Aue einen machen.“ Erfolgshungrig, wie die Löwen derzeit sind, wird man ihn beim Wort nehmen.

von Uli Kellner

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