Nichts zu holen am Tivoli

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305.12.08|TSV 1860|5 KommentareFacebook
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Aachen - Beim 0:2 in Aachen trifft wieder mal ein Ex-Löwe: Milchraum brachte die Alemannia früh auf die Siegerstraße

Aachens Szilard Nemeth (2.v.l.) und Cristian Fiel (r) versuchen Löwe Timo Gebhart den Ball abzunehmen.

© dpa

Aachens Szilard Nemeth (2.v.l.) und Cristian Fiel (r) versuchen Löwe Timo Gebhart den Ball abzunehmen.

Sollte sich Patrick Milchraum an diesem trüben Herbstwochenende der ausgedehnten Körperpflege hingeben, womöglich bei einem schönen Schaumbad, dann wird der Aachen-Profi einige böse Schrammen an seinem Schienbein entdecken. Erinnerungen an das Duell mit 1860-Verteidiger Markus Thorandt. Das schönere Andenken an die Begegnung mit seinem Ex-Klub wird dem Linksfuß noch häufiger in den Superzeitlupen des DSF begegnen. Milchraums frühes Tor (1.), das die Alemannia auf die Siegerstraße brachte, war ein Treffer der Marke „sehenswert“. 2:0 siegte Aachen am Ende, was die Planungen der Gäste gründlich über den Haufen wirft. Anstatt den Kontakt nach oben herzustellen, muss sich 1860 wieder nach unten orientieren.

Bis zum Anpfiff dürften die Gedanken der Löwen vor allem um zwei Partien gekreist haben: Um das 3:3 gegen Wehen vom vergangenen Sonntag, bei dem das Team das seltene Kunststück fertig brachte, sich drei Tore in der Schlussphase einzufangen. Und um den bis dato letzten Auftritt am Tivoli, bei dem ein ebenso seltenes Kunststück zu bestaunen war. Die Löwen lagen bis zur 80. Minute mit 0:2 hinten, schlugen dann dreimal eiskalt zu und zogen ins DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern ein.

Unberechenbar waren die Mannschaften des TSV 1860 schon immer, doch auf eines ist Verlass: Begegnen die Löwen-Spieler einem früheren Kollegen, sind sie meist sehr freundlich zu ihm, laden ihn häufig sogar zum erfolgreichen Torschuss ein. Stefan Reisinger (jetzt Fürth) ist schon auf diese Weise beschenkt worden, doppelt sogar, zuletzt durfte sich Daniel Baier (jetzt Augsburg) feiern lassen, und am Freitag war Patrick Milchraum an der Reihe. In einem Interview hatte sich der Linksaußen ein Tor gegen den Ex-Verein gewünscht, kein Problem für 1860 – bereits nach 56 Sekunden wurde dem Wunsch entsprochen. Berhalter wehrte einen Einwurf schlampig ab, Thorandt und Ghvinianidze griffen nicht ein, als Milchraum von Nemeth bedient wurde, also nagelte der Schwabe die Kugel trocken in den rechten oberen Winkel.

Zu Gegnern ohne München-Vergangenheit sind die Löwen nicht so nett. Bereits nach einer halben Stunde waren zwei Aachener Offensivkräfte verletzt vom Platz gehumpelt. Auer zwickte das Knie, Daun hielt sich nach einem Duell mit Torben Hoffmann den Knöchel, doch fast genauso schmerzte Aachen die Nachlässigkeit des Duos vor dem Tor. Hätten Daun (5., Pfosten) und Auer (13., daneben) besser gezielt, die Partie wäre früh entschieden gewesen. Die Löwen-Abwehr wirkte in dieser Phase noch konfuser als bei ihren schwarzen 17 Minuten am Sonntag.

So aber kämpften sich die Gäste gegen eine geschockte Alemannia zurück ins Spiel, das sie nun immer ausgeglichener gestalteten. Zwar kamen die Aachener durch gefährliche Fernschüsse noch zu guten Chancen (Fiel, 39., Achenbach, 43.), doch kurz vor dem Halbzeitpfiff musste sich auch Alemannia-Keeper Stuckmann strecken. Fabian Johnson, der in der 4. Minute mal wieder kläglich gescheitert war, hatte diesmal besser gezielt. Zudem wurde einem Treffer von Béda die Anerkennung verweigert. Zurecht. Di Salvo hatte im Abseits gestanden und Stuckmann die Sicht versperrt (31.).

Nach der Pause drohte die Partie mehrmals zu kippen, die Löwen bissen sich ins Spiel, doch sie versagten wieder einmal vor dem Tor. Benny Lauth scheiterte in seiner Spezialdisziplin, dem Kontern (71., knapp vorbei), Manuel Schäffler womöglich an seinen Nerven. Freigespielt von Gebhart hätte er nur noch ins leere Tor schieben müssen, doch er zauderte und verballerte auch den Nachschuss. Das rächte sich. Im Gegenzug spritzte der 18-jährige Holtby in eine scharfe Flanke und entschied die Partie zu Gunsten der Alemannia (85.). Diesmal blieb der Tivoli uneinnehmbar für die Löwen.

von Richard Rösener

Alemannia Aachen – TSV 1860 München 2:0 (1:0)

Aachen: Stuckmann – Müller (71. Lagerblom), Stehle, Olajengbesi, Achenbach – Daun (28. Szukala), Fiel, Lehmann, Milchraum – Nemeth, Auer (18. Holtby).

TSV 1860: Tschauner 3 – Thorandt 4, Ghvinianidze 4, Berhalter 5, Hoffmann 5 – Johnson 4, Béda 4, Ledgerwood 5 (60. Holebas 4) – Gebhart 3 – Lauth 3, di Salvo 5 (60. Schäffler 4).

Schiedsrichter: Schößling (Leipzig).

Tore: 1:0 Milchraum (1.), 2:0 Holtby (85.).

Zuschauer:19 173.

Gelbe Karten: Achenbach, Lagerblom, Olajengbesi, Stehle – Gebhart, Hoffmann, Ledgerwood.

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