Die Vereinsspitze reagierte mit Schweigen. Am Tag, nachdem fünf 1860-Aufsichtsräte von ihrem geheimnisumwitterten Höflichkeitsbesuch beim Investor Hasan Ismaik zurückgekehrt waren, ließ Geschäftsführer Robert Schäfer nur wissen, er habe zum Ergebnis der Visite nichts zu sagen. Und 1860-Präsident Dieter Schneider, der den ganzen Tag über telefonisch nicht erreichbar war, vermied komplett eine Stellungnahme.
Das war schon insofern erstaunlich, als Otto Steiner , der Aufsichtsratsvorsitzende, die vereinspolitisch überaus bedeutsame Kunde aus dem Morgenland mitgebracht hatte, dass nun ein neues Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Investor anbreche. Und auch Steiners Erklärung, er werde – entgegen aller Spekulationen – nicht für das Präsidentenamt kandidieren, barg dringenden Klärungsbedarf.
Liegt doch nun die Vermutung sehr nahe, dass Schneider sich bei der 1860-Mitgliederversammlung im Frühjahr für eine weitere Amtsperiode bewerben wird. Und nur zu gerne hätte man auch erfahren, was Schneider von den Wünschen Ismaiks hält. Dieser skizzierte sein Anforderungsprofil für den künftigen Löwen-Chef in der „tz“ so: „Was ich mir wünsche, ist ein geradliniger Mann mit einem starken Team, der den Klub vom Dunkel ins Licht führt.“
Gegen Eintracht Braunschweig "nicht alles Gold"
Zumindest einen sportlichen Lichtblick hatte das Zweitliga-Team des TSV 1860 am Sonntag mit einem harterkämpften 2:1-Sieg beim Tabellenführer Eintracht Braunschweig geliefert. Nach dem gestrigen Lauftraining meinte Löwen-Coach Alexander Schmidt: „Die Beine waren schwer – aber der Kopf war frei.“ Frei von den trüben Gedanken, die nach den beiden 0:1-Heimniederlagen im neuen Jahr vorherrschten. Das daraufhin verordnete Straftraining schien nun aber sogleich die erhofften Effekte gezeitigt zu haben. „Das war eine Trainingseinheit, die den Willen betraf. Da musste jeder über seinen Schatten springen“, berichtete Schmidt.
Gegen Braunschweig sei „zwar nicht alles Gold gewesen“. Aber die Mannschaft habe letztlich das entscheidende Quäntchen mehr an Einsatz gebracht. Und zudem glückte Benny Lauth bei seinem Tor zum 2:1 (86.) ein alles entscheidender Kunstschnipper aus spitzem Winkel. Die Fertigkeiten des Kapitäns beschrieb der Coach so: „Wenn man ihn 30 Minuten lang nicht sieht – mein Gott. Aber dann macht er in der 31. Minute etwas, das nur ganz wenige können. Benny ist in der Lage, mit einer einzigen Aktion seine ganze Extraklasse zu beweisen.“
Zu den Aktivposten zählte Schmidt auch Moritz Stoppelkamp, der sich in seiner neuen Rolle im zentralen Mittelfeld deutlich steigerte: „Das hat super geklappt.“ Ein Trainerlob gab’s zudem für Ola Kamara, der Rob Friends Tor zum 1:1 (77.) per feiner Flanke von links vorbereitete: „Er war super effektiv.“
Von intensiven Hochgefühlen beseelt zeigte sich auch Präsident Schneider. Während sich der Großteil seines Aufsichtsrates noch auf dem Rückflug von Abu Dhabi nach München befand, stand der Vereinschef den Löwen in Braunschweig bei. Nach dem Schlusspfiff gratulierte er freudestrahlend dem Torschützen Lauth und herzte demonstrativ Trainer Schmidt. Das sah ganz danach aus, als ob Schneider längst noch nicht amtsmüde ist. Was inzwischen auch schon von vereinsinternen Kreisen kolportiert wurde. Schneiders derzeitiges Schweigen könnte somit dafür sprechen, dass er bereit ist, Präsident zu bleiben.
Steiner und Co. zurück in München: Bilder von der PK am Flughafen
Ismaik: Künftig gemeinsam als Team arbeiten
Weiteren Aufschluss über die mittelfristige Zukunft des TSV 1860 dürften die ersten März-Wochen bringen. Dann will sich Ismaik mit der Klubspitze über die anstehenden Entscheidungen beraten. Dabei scheint festzustehen, dass man am aktuellen Drei-Jahres-Plan festhalten werde – es also kurzfristig zu keinen größeren Investitionen kommen wird. Grundsätzlich erklärte Ismaik, es gehe ihm darum, „dass wir künftig gemeinsam als Team arbeiten und uns nicht mehr wie zwei feindliche Parteien gegenüberstehen“. Schön wär’s.
Von Armin Gibis



































