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Dominik Stahl

Der leise Aufsteiger

Darum ist Stahl der Gewinner der Vorbereitung

München - Bei den Löwen setzt sich ein Außenseiter durch: Der brave Blonde ist der Gewinner der Vorbereitung. Trainer Schmidt ist begeistert: „Im Mittelfeld ist er unser komplettester Spieler.“

Fünf Tage sind es noch, bis auch die Löwen ins Fußballjahr 2013 starten, und glaubt man Trainer Alexander Schmidt, dann hat der innere Countdown bei seinen Profis längst eingesetzt. „Es kribbelt schon ein bisschen“, sagt Schmidt, „das merkt man jetzt immer deutlicher.“

Nachvollziehbar, denn der erste Gegner hat es gleich in sich: Kaiserslautern, in der Tabelle fünf Punkte besser dastehend – auf Platz drei, den auch 1860 anpeilt. Der FCK hat sich prominent verstärkt, ausschließlich mit Erstligaprofis (u.a. mit Frankfurts Köhler und Weiser vom FCB). Doch auch Schmidt wähnt sein um die Stürmer Ola Kamara und Rob Friend ergänztes Team auf dem richtigen Weg. „Es ist ein guter Zug drin“, sagt er. „Jede Einheit war intensiv. Man kann schon von einer gelungenen Vorbereitung sprechen.“

Und wie am Ende jeder Vorbereitung, so gibt es auch diesmal ein paar Spieler, die sich als Gewinner fühlen dürfen. Allen voran: Mittelfeldkämpfer Dominik Stahl, 24. Der Langzeitlöwe (seit 2004 im Verein), lobt Schmidt, habe „den nächsten Schritt gemacht“. Lange im Ruf des limitierten Zerstörers stehend, habe der frühere U 23-Kapitän an seinen Schwächen gearbeitet: „Er hat mehr Zug nach vorne, was ihm früher ein bisschen gefehlt hat. Auch was die Ballsicherheit betrifft, hat er sich entwickelt.“ Mit Kopfballstärke, die Schmidt beim Pokal-Aus in Bochum (0:3) vermisst hat, konnte Stahl schon immer dienen.

Derzeit sieht es so aus, dass ihm die Summe dieser Qualitäten einen Stammplatz neben Chef-Sechser Daniel Bierofka beschert. Stefan Wannenwetsch, Schmidts Zögling aus der U 21, habe einen „leichten Durchhänger“. Der andere Mitbewerber heißt Grigoris Makos. Ihn sieht Schmidt „stark verbessert“, doch der zur Übermotivation neigende Grieche ist halt auch immer für eine Harakiri-Aktion gut. Stahl dagegen sei die solideste Lösung: „Für mich ist er momentan unser komplettester Spieler.“

Eine Menge Komplimente für einen, der bisher immer ein wenig nebenher lief. „Stimmt schon“, sagt Stahl lächelnd, „lief ganz gut für mich.“ Der frühere Hoffenheimer ist ein unkomplizierter Typ. Flotte Sprüche hat man selten von ihm vernommen. Vielleicht, mutmaßt Schmidt, war er in der Vergangenheit ein bisschen zu leise: „Kann schon sein, dass er für die Trainer oft eine bequeme Lösung war.“ Jeder habe gewusst, ob Ewald Lienen, Reiner Maurer oder Schmidt selber: „Wenn man den Dominik draußen lässt, dann gibt’s kein großes Theater oder Tamtam.“ Stahl bestätigt, dass er „pflegeleicht“ sei. Aber, hält der freundliche Württemberger dagegen: „Ich bin auch so immer auf meine Spiele gekommen – egal wer für meine Position geholt wurde.“ An Florin Lovin und Eke Uzoma erinnert sich fast keiner mehr, Makos muss sich hinten anstellen – Stahl ist immer noch da. Und sieht auch gar keinen Grund, etwas an seiner Art zu ändern.

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„Ich bin halt keiner, der große Töne spuckt“, sagt der brave Blonde. „Aber ich glaube nicht, dass mir meine Art geschadet hat.“ Spontan fällt ihm ein Bibelzitat ein: Matthäus 13, 57. Das Gleichnis vom Propheten, der im eigenen Lande nichts gilt. „Ich bin mit 15 ins Jugendinternat, komme aus dem eigenen Verein – da hat man halt nicht so ein Standing wie ein teurer Neuzugang, der erstmal spielen muss.“ Und dann gibt es ja noch das berühmte Zitat des Fußball-Philosophen Otto Rehhagel: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. „Und auf dem Platz“, argumentiert Stahl, „da kann ich sehr wohl laut sein und dazwischenhauen.“

Sein Glück ist, dass er jetzt einen Trainer hat, der auch Leisetreter zu schätzen weiß. Mag der FCK am Montag mit geballter Bundesligapower auf die Löwen zugerollt kommen – Schmidt setzt auf seinen Wellenbrecher namens Stahl: „Auf ihn ist Verlass.“

Uli Kellner

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