007.09.10|TSV 1860|TSV 1860|2
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München - Die Geschichte hätte natürlich auch ganz anders laufen können. Moritz Leitner wäre dann am Montagabend nicht in Krefeld auf dem Rasen des Grotenburg-Stadions gestanden, um mit seinen neuen Auswahlkollegen einen 3:0-Sieg über Dänemark zu bejubeln.

© Sampics
Moritz Leitner mit Kevin Volland
Er hätte seine U 19-Premiere dann bereits zwei Tage eher gefeiert, in Seekirchen im Salzburger Land - als Spieler von Österreich, dem Heimatland seiner Mutter. Auch die ÖFB-Junioren um die Bayern-Talente Alaba und Knasmüllner, die als außergewöhnlich guter Jahrgang gelten, haben ihren Test für die EM-Qualifikation eindrucksvoll gewonnen, 3:1 gegen Griechenland. Doch Leitner, der junge Löwen-Wirbelwind, hat sich nun mal entschieden, Deutscher zu werden. Und bestimmt fand nicht nur Leitners aus München stammender Papa: Es war eine gute Entscheidung.
Leitner, der zur Halbzeit für den Mönchengladbacher Yunus Malli ins Spiel kam, brauchte wie schon bei seinem Zweitligadebüt zwei Wochen zuvor keine lange Eingewöhnungszeit. In der 69. Minute sorgte er mit einem Zuckerpass auf Kapitän Reinhold Yabo für das 2:0 („Stangerlpass“ hätte man sagen müssen, wäre Leitner Österreicher geblieben). Kurz darauf hatte der freche Quereinsteiger Pech bei einem verzinkten Fernschuss. Und auch beim 3:0, sieben Minuten vor Schluss, hatte Leitner seine flinken Füße im Spiel. Das Leichtgewicht ließ sich foulen und ermöglichte so den 3:0-Endstand, den der Kölner Buchtmann per Elfmeter herstellte. Hinterher teilte Leitner mit, er sei „super nervös“ gewesen, doch kaum waren Hymne und Anpfiff verhallt, hätte sich der Puls wieder auf normalen Ausschlag zurückbewegt. „Dann ist’s einfach nur Fußball“, sagte er lässig, „das kenn’ ich halt nicht anders.“
Reiner Maurer wiederum kennt von Leitner nichts anderes als das am Montag gezeigte Repertoire, das gewagte Dribblings ebenso beinhaltet wie gefühlvolle Pässe aus dem Fußgelenk. Im eigenen Nachwuchs hatte der 1860-Coach Leitner früh entdeckt, zur Überraschung vieler auf Anhieb ins Profiteam eingebaut, er ist quasi sein Mentor. Aber: Auf Worte der Schwärmerei wartet man vergeblich. „Leitner angeschaut?“ lautete am Tag danach die erste Frage aus der Boulevardecke, doch Maurer wich aus: „Daniel Hofstetter war ebenfalls sehr gut.“ Auch Kevin Volland, den dritten 1860-Spieler, der in der Schlussphase der Dänemark-Partie auf dem Platz stand, vergaß Maurer nicht. „Fürs Image von 1860 ist es natürlich gut, so viele U-Spieler zu haben“, beließ er es bei einem Pauschallob. „Wir haben nun mal einen überragenden 92er-Jahrgang.“
Maurer weiß: Bei Leitner muss man vorsichtig sein, man sollte ihn nicht zu sehr hervorheben. Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung ist relativ schmal bei ihm, sagen Leute, die ihn besser kennen. Daher blieb das Zitat mit der Nervosität das einzige, das von Leitner überliefert wurde (via Vereinshomepage). Der frisch gebackene Nationalspieler durfte gestern direkt vom Flughafen nach Hause fahren und sich sammeln. Interviews soll er im Moment lieber nicht geben. Als Maurer das erste Mal Trainer bei den Löwen war, hatte er hautnah miterlebt, wie die Generation Lehmann/Baier in den Himmel gelobt wurde, was ihrer Leistung nicht zuträglich war. Entwicklungen dieser Art will er nun frühzeitig entgegenwirken. Maurer äußert den vorsichtigen Wunsch: „Es wäre schön, wenn Leitner mehr Ruhe bekäme.“
Trotzdem: Bedenken, den belebenden Offensivmann auch am Samstag gegen Duisburg wieder zu bringen, hat der Trainer nicht. Auch der Stress der letzten Tage mit dem Testspiel in Zürich und der direkten Weiterreise zum Nationalteam werde ihm nichts anhaben. Maurer prophezeit: „Er wird in einer guten Verfassung sein.“ Leitner selbst würde sagen: Es ist doch einfach nur Fußball. Ob er ihn als Österreicher oder Deutscher spielt, in der A-Jugend oder in der zweiten Liga, macht für ihn offensichtlich keinen Unterschied.
Uli Kellner
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