„Felix war immer wie ein großer Bruder“

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    • 26.02.13
    • Wintersport
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Ski-Star Marcel Hirscher im Interview

Marcel Hirscher: "Felix war immer wie ein großer Bruder"

München - Ski-Star Marcel Hirscher spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über deutsch-österreichische Freundschaft – und was bei der WM zum Davonlaufen war.

Zwei auf der gleichen Wellenlänge: Felix Neureuther (l.) applaudiert Weltmeister Marcel Hirscher nach dem WM-Slalom in Schladming. Foto: dpa

© dpa

Zwei auf der gleichen Wellenlänge: Felix Neureuther (l.) applaudiert Weltmeister Marcel Hirscher nach dem WM-Slalom in Schladming.

München – Am kommenden Samstag (2. März) wird Marcel Hirscher erst 24 Jahre alt, die Erfolgsbilanz des alpinen Ski-Helden aus Österreich liest sich schon jetzt eindrucksvoll: 18 Weltcupsiege, 41 Podestplatzierungen, Gesamtweltcupsieg – und kürzlich Superstar der WM in Schladming mit zwei Goldmedaillen und einer silbernen. Mit unserer Zeitung sprach Marcel Hirscher am Sonntag nach dem Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen, bei dem er hinter Ted Ligety Zweiter wurde.

Marcel Hirscher, zu Ihrem Erfolg auf der Kandahar hat auch Felix Neureuther ein wenig beigetragen. Er hat sie tags zuvor zu einem Arzt seines Vertrauens vermittelt. Warum?

Im saß im Auto, kurz vor Garmisch-Partenkirchen ging es mir nicht mehr so gut, das Rumoren im Bauch ist immer stärker geworden. Ich brauchte in der Gegend einen Spezialisten, der sich damit auskennt. Felix hat mir einen super Mann empfohlen. Das ist wirklich nicht selbstverständlich, dass er einem Mitkonkurrenten so nett weiterhilft. Großartig.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis bezeichnen?

Schon als Freundschaft. Er schickt mich zu seinem engsten Vertrauten, das ist schon ein großer Freundschaftsbeweis. Das zeugt von Felix’ großer Menschlichkeit. Irgendwie war der Felix immer wie ein großer Bruder. Langsam werde ich, was das Skifahren betrifft, erwachsen. Der Felix ist ja schon ewig dabei. Wir sind einfach auf einer Wellenlänge. Ich habe jedesmal eine Riesenfreude, wenn ich ihn sehe.

Der gleiche Humor spielt auch ein Rolle.

Er sieht die Dinge auch nicht so ernst. Wir wollen beide gewinnen, unbedingt. Aber wenn’s nicht geht, dann dreht sich die Welt genauso weiter. Ich glaube, da sind wir uns sehr ähnlich. Sonst könnten wir zwischenmenschlich auch wenig miteinander anfangen.

Wo haben Sie denn Ihre drei WM-Medaillen aus Schladming aufgehängt?

Bei einer weiß ich, wo sie ist. Die zweite war im Auto, die dritte im Skianorak. Man sollte es nicht zu laut sagen, aber für mich ist das nur ein materieller Wert. Der ideelle ist viel höher. Die WM-Medaille hat, glaube ich, einen Wert von 900 Euro. Jeder Preis bei einem anderen Skirennen hat einen höheren materiellen Wert . . .

. . . Im Vorjahr haben Sie nach dem Gesamtweltcup-Sieg sogar von der „depperten Glaskugel“ gesprochen . . .

Es ist schon ein Wahnsinn, wenn man nicht weiß, wo man die Medaillen in der Wohnung verstreut hat. Aber wenn man den Mythos einer WM-Medaille weglässt, ist sie doch nur ein Haufen Blech mit ein bisserl Goldanteil drin.

Wie haben Sie es bei der WM geschafft, diesen immensen Druck auszuhalten, vor 40 000 Menschen den erwarteten Sieg einzufahren?

Ich weiß es selbst nicht. Gold mit dem Team war super, und eine Medaille war der Plan für diese WM: Ich setzte mir immer Ziele, die auch erreichbar sind. Ich würde nie hergehen und sagen: Ich möchte drei Medaillen bei dieser WM holen. Ich war überglücklich über die Silberne im Riesenslalom, dann habe ich mir gesagt: ,Wisst ihr was, wenn ihr euch jetzt noch aufregt, dass ich im Slalom einfädele oder ausfalle – dann bittschön jammert’s weiter. Dann stellt euch selber auf und macht es besser.‘ So waren mein Gedanken. Ich bin zu dem Schluss gekommen: Es geht um gar nichts. Nur ums Skifahren. Darum, dass ich schnell skifahre, Freude habe.

Kurz vor der WM hatten Sie in Kitzbühel gewonnen. Da ahnte man: Diesen Hirscher schreckt gar nichts.

Die WM war noch mal was anderes. Die mediale Aufmerksamkeit auf den Slalom war riesengroß. In Österreich war das zum Davonlaufen.

Hat Ihr Appell an die Menschen genutzt, sie sollten endlich kapieren, dass Marcel Hirscher keine Maschine ist?

Ich bekomme eine sehr gute Resonanz von fast 200 000 facebook-Usern. Das lese ich sehr gerne, weil man sieht, wie die Leute zu gewissen Themen stehen. Als ich meine Meinung zu diesem unheimlichen Druck geäußert habe, war es auch schön zu merken, dass die Leute auf einen hören.

Arbeiten Sie mit einem Mentaltrainer, wie es zum Beispiel Ihre Kollegin Anna Fenninger macht?

Ich mache gar nichts in diese Richtung. Welcher Psychologe auf der ganzen Welt kann mir erklären, wie es sich anfühlt, am Start zu stehen, in Skischuhen, mit Ski angeschnallt und 50 000 Leute schreien dich beim Nachtrennen da oben raus. Als Österreicher – da ist der Druck noch höher! Da braucht mir keiner erzählen, dass er weiß, wie das ist.

Wie haben Sie die Belastungen der WM körperlich gespürt?

Ich war körperlich kaputt nach der WM. Auch jetzt noch. Ich habe viel Energie in Schladming gelassen, war schon die ganze Woche danach nicht richtig fit. Wenn die Anspannung nachlässt, wird man schneller krank.

Ihrem Landsmann Stephan Eberharter gelang es als letztem Skifahrer, den Gesamtweltcup zu verteidigen. Was würde Ihnen der erneute Gewinn der großen Kugel bedeuten?

Sie wäre eine große Auszeichnung. Aber alleine, dass ich im Gesamtweltcup wieder so eine große Rolle spielen darf, ist Anerkennung genug.

Was war für Sie die schönste Anerkennung nach der WM?

Wenn die Nachbarn in meiner Heimatgemeinde Fahnen hissen mit ,Gratuliere, Marcel‘ und ,Wir sind stolz auf dich‘ – das berührt mich sehr. Auch die Titelseite der Konenzeitung hat mich sehr gefreut: „Danke, Marcel“. Das war eine riesengroße Ehre.

Setzt Ihnen Ihre Heimatgemeinde Annaberg im Salzburger Land ein Denkmal?

Das können sie machen, wenn ich gestorben bin. Jetzt lebe ich noch ein paar Jahre.

Das Gespräch führte Jörg Köhle

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Kommentare

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Andi26.02.2013, 08:02
(4)(0)

"...Marcel Hirscher am Sonntag nach dem Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen, bei dem er hinter Ted Ligety Zweiter wurde."

--> bei dem er VOR Ted Ligety Zweiter wurde - gewonnen hat Pinturault.

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