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Felix Neureuther verspielte seine gute Ausgangsposition.

Weltcup-Riesenslalom

Große Enttäuschungen für Neureuther und Dopfer

Garmisch-Partenkirchen - Felix Neureuther und Fritz Dopfer haben ihre guten Ausgangspositionen beim Weltcup-Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen verspielt und die Podestplätze verpasst.

Felix Neureuther haute wütend seinen Skistock auf eine Werbebande. Dass Tina Turner für ihn „Simply the best“ sang, klang in seinen Ohren wie Hohn. Eine Woche nach WM-Silber im Slalom war der 28-Jährige auf dem Weg zum ersten deutschen Weltcup-Sieg im Riesenslaom seit 40 Jahren, als dem Führenden des ersten Laufs „ein kleiner, blöder Fehler“ unterlief, wie er sagte. Statt des Sieges reichte es nur zu Platz zwölf beim Heim-Rennen in Garmisch-Partenkirchen. „Das schmerzt sehr.“

Und auch Kollege Fritz Dopfer litt. Er war Dritter vor dem Finale, stürzte dort und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Ersten Untersuchungen zufolge kam er mit einer Schienbeinprellung davon. Alexis Pinturault aus Frankreich holte sich den Tagessieg. Rang neun von Josef Ferstl in der Abfahrt beim Sieg des Südtirolers Christof Innerhofer blieb damit die beste Platzierung eines Deutschen in „GAP“.

Während für Pinturault die „Marseillaise“ gespielt wurde, fand Neureuther Trost bei Max Rieger. Der 66-Jährige, ein guter Freund der Familie Neureuther, hatte am 2. März 1973 in Mont St. Anne bei Quebec/Kanada den einzigen deutschen Riesenslalom-Sieg im Weltcup geholt. Als er erfuhr, dass Neureuther und Dopfer sich anschickten, ihm nachzufolgen, setzte er sich in Mittenwald ins Auto und fuhr die 20 km nach „GAP“. „Wir machen dann morgen weiter“, sagte er seinen Kunden beim Ski-Kurs. Doch statt des erhofften Sieges erlebten er und die 5000 Zuschauer ein sportliches Drama.

Erst kam Dopfer, nach dem ersten Durchgang 0,32 Sekunden hinter Neureuther. Doch bereits am vierten Tor war für den Garmischer alles vorbei. Dopfer fädelte ein, sein linkes Bein wurde dabei nach hinten gerissen, er knallte mit Rücken und Hinterkopf auf die harte Piste, im Zielraum schrien die Menschen auf. Dopfer rappelte sich bald auf, in die Klinik musste er dennoch. Dann fuhr Pinturault die Bestzeit. Neureuther bekam all das im Starthaus mit, eine Rolle habe es aber nicht gespielt, sagte er. „Erster in einem Riesenslalom, halleluja“, hatte er vor dem Finale gesagt. Jetzt wollte er den Sieg.

Neureuther attackierte, riskierte. Er wusste, dass Pinturault schnell gewesen war. Und Neureuther hielt mit, bei der vorletzten Zwischenzeit lag er noch gleichauf - dann der Fehler. Vorbei.

„Eine blödere Stelle hätte ich nicht erwischen können“, sagte er. Das Malheur unterlief ihm just vor dem Flachstück, das Tempo fehlte ihm nun komplett. 2,47 Sekunden lag er letztlich hinter der Spitze, drei Ränge hinter ihm freute sich der junge Benedikt Staubitzer (22) aus Mittenwald (2,62) als 15. über seine ersten Weltcup-Punkte.

Zur Siegerehrung durfte keiner der beiden - Ferstl dagegen schon. Am Samstagabend durfte sich der 24-Jähruge wie die besten Sechs der Abfahrt auf dem Mohrenplatz feiern lassen. „Auch er ist ein Sieger“, sagte der Sprecher über ihn - und das stimmte irgendwie. Ferstl, der lange als schlampiges Talent galt, hatte für das beste DSV-Ergebnis bei der Abfahrt in „GAP“ seit zwölf Jahren gesorgt.

„Das ist ein Supertag“, sagte Ferstl. Zugetraut hatten ihm den Coup nur wenige. „Chapeau“, sagte Alpindirektor Wolfgang Maier, „er hat eine richtig gute Prüfung abgelegt. Keine Meisterprüfung, aber eine ehrlich gute Vorstellung. Ich hätte das nicht erwartet.“

Ferstl, Sohn des ehemaligen Kitzbühel-Siegers Sepp Ferstl, fehlte lange die richtige Einstellung. Der DSV nahm ihn vor einigen Wintern aus der Förderung. „Er war in der Jugend sehr talentiert, hatte aber nicht erkannt, worum es im Leistungssport geht“, sagte Maier. Ferstl kämpfte sich in dieser Saison heran, holte als 30. der Super-Kombi in Wengen erstmals einen Weltcup-Punkt. Zur WM durfte er nicht, weil er die Norm klar verfehlt hatte. Seinem Ärger darüber tat er vor wenigen Tagen öffentlich kund. Maier verteidigte seine Entscheidung am Samstag erneut, Ferstl meinte nur: „Die WM ist vorbei, aber 2015 ist die nächste - vielleicht geht da auch was."

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sid

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