Anfang Januar den meisten Bayern viel Regen. Am Alpenrand und in Österreich hingegen fielen enorme Neuschneemengen. Beinahe wäre auch Berwang eingeschneit – die höchstgelegene und schneereichste Gemeinde im Tiroler Außerfern.

© Rauch
Tief verschneit zeigt sich derzeit der kleine Wintersportort Berwang vor den Lechtaler Alpen.
Auf 1.336 Metern lagen Mitte Januar bereits mehr als zwei Meter der weißen Pracht. Was selbst die erfahrensten Räumdienste vor große Herausforderungen stellte – manche Schneewände im Ort sind mehr als fünf Meter hoch aufgetürmt – freut die Wintersportler. Und die können nach Berwang alles mitbringen, was gleiten oder rutschen kann. Für die Alpinfahrer wartet zwischen den Bergmassiven von Thaneller und Rotem Stein eine "Skischaukel“.
Mit Langlaufkilometern kann sich das recht enge Hochtal nicht gerade brüsten. Doch die Loipenschleifen, die in die glitzernden, dick verschneiten Hangwiesen gespurt sind, bieten ein abwechslungsreiches Auf und Ab. Für die Kleinen und Kleinsten wartet Bär Brauni an der Skischule – überhaupt ist der Bär das Maskottchen des Ortes. Wahrscheinlich stammt auch der Ortsname von dem hier mittlerweile ausgestorbenen Wildtier. Im 13. Jahrhundert aber sollen Bären zahlreich gewesen sein, was Jäger aus dem Inntal in das abgeschiedene Hochtal lockte. Dass „Berwang“ damit von „Bär“ und „Wang“ (Wiese) kommt, bestreiten andere. Sie vermuten, dass hier einst „ein grüner, nicht angebauter, ziemlich ebener Platz mit Beeren“ lag.
Jedenfalls geht Berwang urkundlich auf das Jahr 1434 zurück und blieb viele Jahrhunderte lang ein stilles bescheidenes Bauerndorf. Im Jahre 1900 wurde es von Feriengästen entdeckt. Die fuhren hier bereits 1914 Ski, lange bevor in den Fünfzigern die erste Straße von Bichlbach herauf gebaut wurde. Mit der armen Gemeinde ging es wirtschaftlich bergauf, moderne Ferienpensionen und Hotels verdrängten die alten Höfe. Im meist zugeschneiten Ortsbild fällt die Art der Hausfassaden im Hochwinter jedoch eh nicht auf. Heute denkt man sich – typisch Tiroler, könnte man sagen – so ziemlich alles für den Wintergast aus. Neben den klassischen Sportarten stehen geführte Schneeschuhtouren, Fackelwanderungen oder Eiskletterpartys im Programm.
von CHRISTIAN RAUCH
ANFAHRT – Von München über die A 95 nach Garmisch- P.; weiter über Ehrwald Ri. Reutte bis Bichlbach. Von Ri. Augsburg über die B 17 nach Füssen und über Reutte Ri. Ehrwald/Fernpass nach Bichlbach. Von Bichlbach jeweils links bzw. rechts abzweigend nach Berwang.
TOUR – Skigebiet: Skischaukel Berwang, Einstieg ab Sonnalmbahn. Einstieg auch in Bichlbach (Almkopfbahn) möglich. www.skischaukel-berwang.at;
Skitouren: Skitour Mitteregger Joch (2052 m), 700 Hm Aufstieg ab Gasthaus Mitteregg (Anfahrt über Rinnen); Skitour Galtjoch (2112 m), 850 Hm ab Ortsausgang von Rinnen an der Straße Berwang – Namlos (Tour beginnt mit Abfahrt in das Rotlechtal, dort Aufstiegsspur).
Langlauf: Hinter der Berwanger Kirche Einstieg zur hügeligen Wieseloipe, später rechts über die Brücke zur flachen Moosloipe oder links der Straße weiter auf der Loipe nach Rinnen (steil!). Weitere Runde (Resswaldloipe) im unteren Dorf.
Winterwandern: Geräumte Winterwanderwege, am schönsten ab Mooslift am Ortsausgang von Berwang über Rinnen nach Mitteregg (ca. 2,5 Std.). Rodeln: Rodelbahn vom bewirtschafteten Jägerhaus. Von der Talstation des „Egghof Sun Jet“ Aufstieg oder Liftfahrt. Eissport: Im Ort Natureisplatz und Eiskletterturm.
INFORMATIONEN – 1. Geführte Fackel- und Schneeschuhtouren: Infos beim Hotel Kaiserhof; Tel.: 0043 / 5674 / 8285; www.kaiserhof.at 2. Tourismusverband Berwang, Hausnr. 82, A-6622 Berwang. Tel.: 0043 / 5673 / 20000400; www.berwang.at
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